Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Im Jahr 2009 hat der Gesetzgeber im Rahmen des Betreuungsgesetzes die Bedeutung des Patientenwillens bei therapeutischen Entscheidungen, speziell im Fall schwerer Erkrankungen am Lebensende, per Gesetz klar geregelt und gestärkt. Seither hat der Wille des Patienten hinsichtlich therapeutischer Maßnahmen, die zur Anwendung kommen sollen, für behandelnde Ärzte, Pflegepersonal etc. bindenden Charakter.

Voraussetzung, dass der Patientenwille im Einzelfall in seinem Sinne umgesetzt wird, ist, dass dieser bekannt und eindeutig vom Patienten geäußert worden ist. Insbesondere für den Fall, dass Sie als Patient/-in nicht mehr in der Lage sind, ihren mutmaßlichen Willen zu äußern, sind eine schriftliche Patientenverfügung sowie eine Vorsorgevollmacht von zentraler Bedeutung.

Nicht zuletzt kann ein ausführliches Gespräch mit Ihrem Hausarzt, der Sie und Ihre Angehörigen u.U. über viele Jahre hinweg kennt und begleitet, eine wichtige und wertvolle Hilfe sein, dass Ihr mutmaßlicher Wille am Lebensende auch im von Ihnen gewünschten Sinn umgesetzt wird. Außerdem können Sie eine kostenfreie Beratung beim Hospizverein Erlangen und/oder bei der Betreuungsstelle der Stadt Erlangen erhalten.


Unsere Expertin für Ihre Fragen:

URSULA DIEZEL

Pflegerische Leitung

Tel.: 09131 94056-12
Mobil: 0173 2366854
ursula.diezel@hospizverein-­erlangen.de


In diesem Zusammenhang gibt es eine Fülle verschiedener Vorlagen für das Verfassen einer Patientenverfügung bzw. Vorsorgevollmacht. Keines dieser Formulare kann jedes Detail im konkreten Krankheitsfall benennen bzw. regeln. Wichtig ist, dass die Formulierungen klar und eindeutig sind und dass Ihr mutmaßlicher Wille im Fall einer unheilbaren Krankheitssituation für Außenstehende erkennbar und nachvollziehbar ist. Dazu bedarf es weder für die Patientenverfügung noch für die Vorsorgevollmacht einer notariellen Beurkundung.

Eine besonders hilfreiche, wie klare, Formulierungsgrundlage für eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht gibt es von der Rechtsanwaltskanzlei Putz und Kollegen in München. Auf ihrer Homepage steht sowohl ein Formular für eine Patientenverfügung, wie für eine Vorsorgevollmacht als PDF zum kostenlosen Download bereit.

WOLFGANG PUTZ & BEATE STELDINGER
RECHTSANWÄLTE • MEDIZINRECHTLICHE SOZIETÄT

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Das bayerische Staatministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat eine umfassende Informationsbroschüre unter dem Titel: „Vorsorge für Unfall, Krankheit, Alter“ im Verlag C.H.Beck herausgegeben. Diese kann im Buchhandel erworben oder im Internet unter https://patientenverfuegung.beck.de/ kostenpflichtig heruntergeladen werden.

Eine äußerst wichtige Ergänzung zu einer Patientenverfügung ist die schriftliche Darlegung persönlicher Wertvorstellungen unter Einbezug der aktuellen Lebens- und Krankheitssituation, sowie Ihre Einstellung zum eigenen Leben und Sterben. Das macht eine solche Verfügung zu einem individuellen Dokument von besonderer Authentizität.

Prof. Dr. G.D. Borasio, Inhaber des Lehrstuhls für Palliativmedizin an der Universität Lausanne (Schweiz), hat hierzu einige Fragen zusammengetragen, die Ihnen helfen können, über ihre Lebenseinstellungen und Wertvorstellungen nachzudenken:

  • Wie sind Sie bisher mit leidvollen Erfahrungen in Ihrem Leben umgegangen? Haben Sie sich dabei von anderen helfen lassen oder haben Sie versucht, alles allein zu regeln und alles mit sich selbst auszumachen?
  • Haben Sie Angst, anderen zur Last zu fallen, oder sind Sie der Meinung, dass Sie sich getrost helfen lassen dürfen?
  • Wollen Sie möglichst lange leben? Oder ist Ihnen die Intensität Ihres zukünftigen Lebens wichtiger als die Lebensdauer? Geht Ihnen die Qualität des Lebens vor Quantität oder umgekehrt, wenn beides nicht in gleichem Umfang zu haben ist?
  • Wie wirken Behinderungen anderer Menschen auf Sie? Gibt es für Sie einen Unterschied in der Wertung zwischen geistiger und körperlicher Behinderung? Was wäre für Sie die schlimmste Form einer Behinderung? Welches Mindestmaß an Selbständigkeit ist für Ihre Lebensqualität unbedingt notwendig? Können Sie sich vorstellen weiterzuleben, wenn Sie nicht mehr mit den Menschen in Ihrer Umgebung kommunizieren können?
  • Gibt es viele „unerledigte“ Dinge oder Aufgaben in Ihrem Leben, für deren Regelung Sie unbedingt noch Zeit brauchen?
  • Welche Rolle spielt die Religion in Ihrer Lebensgestaltung? Und welche Rolle spielt sie in Ihren Zukunftserwartungen auch über den Tod hinaus?
  • Welche Rolle spielen Freundschaften und Beziehungen zu anderen Menschen in Ihrem Leben? Haben Sie gerne vertraute Menschen um sich, wenn es Ihnen schlecht geht, oder ziehen Sie sich lieber zurück? Können Sie sich vorstellen, einen Menschen beim Sterben zu begleiten? Würden Sie eine solche Begleitung für sich selbst wünschen?